Dir steht ein Online Assessment Center bevor und Du bist sehr nervös? Keine Sorge so schaffst Du das. Letzter Teil meiner großen AC – Pallooza!

Was ist ein Online Assessment Center?

Ein Online Assessment Center besteht in der Regel aus unterschiedlichen Kategorien von Fragen, die (meist unter Zeitdruck) Online am eigenen Rechner bearbeitet werden müssen. Ziel des Unternehmens ist es meistens, bei einer großen Zahl von Bewerbern die Menge auf die “Besten” zu reduzieren. Oder aber der Beruf ist in einer bestimmten Ausprägung so anspruchsvoll, das bestimmte Fähigkeiten unabdingbar sind. Z.B. müssen Piloten oft vor Start in ein Flugprogramm solche Tests bestehen.

Wichtig ist natürlich, dass Du an einem Platz arbeitest, an dem Du ungestört bist. Die notwendige Internet-Verbindungsgeschwindigkeit ist auch eine Grundvoraussetzung. Solltest Du Dich entscheiden zu betrügen, was ich nicht empfehlen kann, und die Aufgaben nicht alleine zu machen, musst Du damit rechnen, dass die Aufgaben dann im eigentlichen Assessment Termin wiederholt werden. Kandidaten, die signifikant schlechter abschneiden, als im Online Ergebnis, werden oft sofort nach Hause geschickt und für weitere Bewerbungen gesperrt.

Welche Fragen gibt es überhaupt?

Grundsätzlich gibt es zwei Kategorien von Fragen: solche, die die psychologische Eignung des Kandidaten hinterfragen (Soft Skills) auf der einen Seite. Auf der anderen Seite solche, die die fachliche Eignung des Kandidaten hinterfragen sowie die Intelligenz bzw. Fähigkeit zum logischen Denken.

Softskill Fragen sind Fragen, bei denen es nicht direkt um die Lösung einer Aufgabe geht. Solche Fragen dienen eher dazu, deine Persönlichkeit zu analysieren. Zum Beispiel könnte nach Fähigkeiten oder Eigenschaften gefragt werden. Die Soft Skill Fragen werden innerhalb des Test stellenweise wiederholt, um die Konsistenz in den Antworten zu überprüfen. Beispielsweise werden am Anfang und am Ende des Tests die gleichen oder ähnliche Fragen gestellt. Hier musst Du natürlich darauf achten, dass Du ähnlich antwortest. Außerdem solltest Du Dir vorher gründlich überlegen, auf welche Stelle Du Dich bewirbst. Denn die Eigenschaften, die für diese Stelle wichtig sind, solltest Du im Test hervorheben. Ein Controller muss ordentlich und genau sein. Ein Vertriebsmitarbeiter muss eher extrovertiert und kommunikativ, etc. sein. Meist sind diese Fragen nämlich so gestellt, dass Du Dich zwischen zwei positiven Merkmalen entscheiden musst. Zum Beispiel sind Sie eher gründlich oder kommunikativ? Auch wenn man sich beide Eigenschaften zuordnen würde, muss man sich entscheiden. Diese Entscheidung sollte man fällen, in dem man sich überlegt, welche Eigenschaft für die Stelle am wichtigsten ist. Bei den Fragen zur fachlichen Eignung, sollte man sich auf gängige Intelligenz Test Fragen (Räumliches Denken, Zahlenreihen, Schlussfolgerungen, etc.) vorbereiten.

 

Die fachlichen Fragen im Online AC souverän meistern

Bei den fachlichen Fragen zur Stelle sollte man sich gezielt auf das Fachgebiet vorbereiten, ggf. mit Kommilitonen, Freunden oder Bekannten über mögliche Inhalte sprechen. Hier können die Fragen von mathematischen Aufgaben (z.B. verfollständigen von Zahlenreihen), Fragen des räumlichen Vorstellungsvermögens bis hin zu sprachlichen Aufgaben (z.B. Wortpaare oder Wortreihen.) Außerdem können auch kurze Case Studies zum Fachgebiet gefordert werden.

Wichtig ist auch zu erkennen, wann es bei einer Frage um „richtig oder falsch“ geht. Dann manchmal geht es lediglich darum, unter Zeitdruck eine von mehreren logischen Lösungen auszuwählen. Dies kann man zum Beispiel daran erkennen, wenn die Zeit für die Frage so knapp bemessen ist, dass man selbst bei schnellem Lesen, keine Chance hat den gesamten Text der Aufgabe, bzw. der Multiple Choice Antworten durchzulesen. Ziel solcher Aufgaben ist es dann, zu überprüfen, wie fähig ein Mitarbeiter ist Fragen auch unter Unsicherheit zu beantworten.

Auf alle Fälle halte ich es nicht für Zeitverschwendung ein paar solcher Intelligenzstest online zu üben. Auch wenn nicht die selben Fragen kommen, schulst Du Dich darin, schnell zu lesen, die Anforderungen zu erfassen und alleine das gibt Dir einen Vorteil.

Assessment Center

Es gibt eine Reihe von typischen Assessment Center Fragen, die Dir mit Sicherheit begegnen werden. Dennoch gibt es auch immer wieder neue Fragen und Themen, mit denen Du vielleicht nicht gerechnet hast. Daher ist es fast wichtiger Dich darauf vorzubereiten, wie Du mit unvorbereiteten Situationen umgehst, als potentielle Antworten auf potentielle Fragen auswendig zu lernen. Wenn man Menschen unvorbereitet ins kalte Wasser wirft, fällt es vielen schwer ihr Verhalten zu steuern. Die natürliche Reaktion sind oft „unkontrollierte“ Schnellschüsse zu machen, die Stimme geht hoch, man spricht zu schnell, dadurch japst man zwischendurch nach Luft. Das wirkt unsouverän. Oder man stockt, bringt nichts mehr hervor, benutzt unnötige Füllwörter wie (äh und ehm) um Pausen zu überbrücken. Das wiederum wirkt nicht professionell. Daher solltest Du vorher üben, wie Du mit solchen Situationen umgehst.

Übringens können Dir all diese Fragen auch in einem “ganz normalen” Vorstellungsgespräch begegnen. Bereite Dich also auf diese Fragen auch vor, wenn Du in ein normales Gespräch startest. Insbesondere, wenn es sich um eine Beratungsfirma handelt…

So bleibst Du bei deiner Antwort ruhig und souverän

Zunächst einmal werden Dir Pausen die entstehen viel länger vorkommen, als Sie tatsächlich sind. Du musst nur in der Lage sein, solche Momente der Stille auszuhalten. Widerstehe der Versuchung drauf loszuplappern, Füllwörter zu benutzen oder gar Deine eigene vorhergehende Aussage zu revidieren, etwa weil Du durch die Pause das Gefühl bekommst, etwas Falsches gesagt zu haben.
Nutze Pausen lieber, um bewusst tief Durchzuatmen und einen Schluck Wasser zu trinken. Es lohnt sich außerdem immer die Frage noch einmal zu wiederholen, um klarzustellen dass man die Frage richtig verstanden hat und nebenher noch etwas Zeit zu gewinnen. Solltest Du dann immer noch im Dunkeln tappen, wie man die Frage beantworten kann, könnte es eine Lösung sein, sich über Prämissen, die Du annimmst an die Antwort heranzutasten. Selbiges gilt für die sogenannten Abschätzfragen oder Beratungsfragen. Diese typischen Fragen heißen so, weil man ihnen besonders oft in Vorstellungsgesprächen oder Assessment Centern begegnet.

Wie du an Abschätzungsfragen herangehen kannst

Beispiel: Wie schwer ist Manhattan? Wie viel Prozent des Hausmülls machen Babywindeln aus? Wie viele Blätter haben die Bäume im Berliner Tiergarten?
Es gibt hier keine korrekte Antwort auf diese Fragen, sondern Du wirst danach beurteilt wie geschickt und strukturiert Du an die Fragestellung herangehst. Welche Prämissen nimmst Du an? Zum Beispiel Abschätzung der Fläche des Tiergartens, Abschätzung der Verteilung zwischen Wiesen und Baumbestand im Tiergarten, Annahmen über die Anzahl der Äste, die Jahreszeit, etc. Wenn eine Tafel vorhanden ist, schreibe Deine Abschätzungen auf, um sie selbst im Überblick zu behalten und mit Faktoren zu hinterlegen, etc.
Auch hierbei hilft die Vorbereitung. Es gibt etliche Bücher, die solche Fragen und Musterlösungen dazu anbieten. Aber zu Guter Letzt verlass Dich am besten auf Deine eigene Stärke und Deine Kreativität. Denn Unternehmen suchen auch
Mitarbeiter, die selbstständig denken können.

 

Mit diesen Strategien habe ich Dir ein Survival Traning fürs Assessment Center zusammengestellt.  Mit dieser Vorbereitung kannst Du viel lockerer und entspannter in den Tag gehen. Denn gerade für neue Jobs als Professionals oder gar für die erste Führungsaufgabe, ist es immer noch üblich, Kandidaten in ein Assessment Center einzuladen. Daher gehört es meiner Meinung nach einfach zu den grundlegenden Fähigkeiten dazu, die Du Dir als Bewerber aneignen solltest.

Vorstellungsrunden – in 30 Sekunden überzeugen

In Vorstellungsrunden hat man oft nur sehr wenig Zeit, von sich zu überzeugen. You never get a second chance to make a first impression – Klar schon tausend Mal gehört, aber trotzdem ist sehr viel dran!

Da sich im Assessment Center normalerweise Fremde gegenüber sitzen, gibt es in aller Regel eine kleine Vorstellungsrunde. Dabei stellen sich sowohl die Kandidaten vor, aber natürlich auch die Assessoren. Es ist wichtig, sich zu merken, welche Assessoren aus welchem Bereich kommen (z.B. Personaler, Fachabteilung, externe Psychologen, etc.). Denn je nachdem was ihr Hintergrund ist, werden sie auf unterschiedliche Schwerpunkte wert legen. In der Gruppenarbeit teilen sich die Assessoren oft zwischen den Gruppen auf und es ist schon ein Unterschied, ob man durch einen fachlichen Spezialisten oder einen fachfremden Psychologen bewertet wird.
Für Deine eigene Vorstellung ist es wichtig, diese zu üben.

Sich souverän ohne Füllwörter (äh und ehm) und sympathisch vorzustellen. Vor dem Spiegel, vor Freunden – denn je lockerer Du bist, desto freundlicher wirkt man auch. Um die Vorstellungsrunde Abwechslungsreich zu gestalten, denken sich Personaler oft alternative „Vorstellungsthemen“ aus, d.h. statt Name und Wertegang soll man Name und Lieblingshobby vorstellen. Oder man soll zu seinem Namen eine Eselsbrücke bauen (z.B. Mario Schmidt – ich bin kein Italiener heiße aber trotzdem Mario). Hier sollte man natürlich unverfängliche Dinge auswählen und es hilft auch sich bei Stuhlkreisen in die Mitte zu setzen, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass man als erstes an die Reihe kommt geringer und ermöglicht einem, dass man länger Zeit zum Nachdenken und zurechtlegen der Vorstellung hat.

Assessment Center Aufgaben bearbeiten

Im Assessment Center kann es Einzelaufgaben geben, die ich im nächsten Posts noch intensiver beschreiben werde. Bereite Dich auch innerlich darauf vor, mit verschiedenen Medien zu präsentieren. Dazu ist es wichtig, dass Du Dich mit gängigen Präsentationsmedien auskennst, z.B. Powerpoint, Overhead-Folien (seit Beamer-fähigen Projektoren wieder beliebter), Flipcharts, etc. Auch hier hilft Übung – zum Beispiel einfach mal das grobe Thema der Abschlussarbeit (Diplomarbeit) als Grafik auf ein Blatt bringen als Vorbereitung.

Bei Gruppenaufgaben steht natürlich neben der Qualität der Lösung vor allem die Zusammenarbeit zwischen den Gruppenmitgliedern im Vordergrund. Leider ist das ein Punkt, den Du auch durch noch so gute Vorbereitung nicht kontrollieren kannst. Wenn man in einer Gruppe mit „schlechter“ Gruppendynamik landet, kann dies die Zusammenarbeit nachhaltig negativ beeinflussen (mehr dazu im nächsten Abschnitt).

Worauf es bei den Assessment Center Aufgabe wirklich ankommt

Bei Assessment Centern, bei denen auch die Führungsfähigkeit von potentiellen Mitarbeitern bewertet wird, wird normalerweise bei Gruppenarbeiten ein „Teamleiter“ bestimmt. Bei dieser Aufgabe solltest Du darauf achten, vor allem Deine Fähigkeiten zu strukturierter Arbeitsweise und Anleitung in den Fordergrund zu stellen. Sollte die Aufgabe zum Beispiel zeitkritisch sein, solltest Du selbst die Zeit im Auge behalten und regelmäßig die verfügbare Restzeit kommunizieren oder diese Aufgabe ggf. delegieren.

In den meisten modernen Unternehmen ist auf unteren Führungsebenen meist ein kollegialer Führungsstil gefragt, daher solltest Du Dich nicht in die Situation des „Anführers, der nicht mitarbeitet“ begeben. Überlege, ob es für die Aufgabe zweckdienlicher ist, dass Du aktiv mitarbeitest oder dass Du den Überblick behälst. Wenn es um eine Aufgabe geht, bei der unter Zeitdruck „einfachere“ Aufgaben bewältigt werden sollen, ist es sinnvoll selbst als Teil des Teams mitzuarbeiten (z.B. wenn unter Zeitdruck etwas gebaut werden muss, sortiert werden muss, eine Produktion simuliert wird, o.ä.). Müssen komplizierte Prozesse oder Aufgaben durchgeführt werden, macht es hingegen durchaus Sinn, dass Du den Überblick behälst, so dass die Koordination der Gruppe nicht gefährdet ist.

Survival Training für die Gruppendynamik im Assessment Center

Du solltest bedenken, dass Du automatisch derjenigen sein musst, der den Überblick behält. Sollte es in der Gruppe jemand geben, der fachlich besser für die Koordination geeignet ist (z.B. besseres räumliches Vorstellungsvermögen, Erfahrung in der fachlichen Aufgabe, etc.), wähle am besten diesen Mitarbeiter aus. Dank daran: Ein guter Chef oder Projektleiter zeichnet sich dadurch aus, dass er die Talente der Mitarbeiter möglichst gewinnbringend für das Teamergebnis einsetzt. Wichtig ist auch die Leistung der Gruppe zu würdigen. Lobe Deine Teammitglieder und sorge für gute Laune. Das macht  sympathisch und steigert die Leistung der Gruppe. Und ja, es könnte gut sein, dass ich diesen Punkt schon das ein oder andere mal vergessen habe….

Falls die Dynamik in der Gruppe nicht stimmt, ist es immer schwierig noch konstruktiv und gut zusammen zu arbeiten. Daher solltest Du Dich unbedingt auch auf diesen Fall vorbereiten und eine Strategie in petto haben, was Du dann tust. Meine Erfahrung zeigt, dass wenn Du Dich unwohl fühlst, die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass es anderen genauso geht. Dann kannst du sogar überlegen etwaige schwierige Themen sogar anzusprechen. Natürlich gelassen und nicht als Angriff formuliert. Das kann souveräner wirken, als Konflikte auszusitzen, insbesondere, wenn es um Führungsfähigkeiten geht.

Du willst endlich deine Träume verwirklichen und im Vorstellungsgespräch überzeugen? Hier kommen meine Erfahrungsschätze aus mittlerweile 12 Jahren als Bewerber und 5 Jahren als “Ausfrager”/”Vorstellungsgesprächführer”/”Interviewer” (wie heisst eigentlich die Person, die das Vorstellungsgespräch auf der Firmenseite führt richtig?)

Signifikante Unklarheiten vorher klären

Es ist nicht verboten, insbesondere nicht, wenn man bereits zum Gespräch eingeladen wurde, telefonisch Unklarheiten zu beseitigen. D.h. wenn Dir irgendetwas Organisatorisches (zum Beispiel Ort des Gesprächs, Parkmöglichkeiten, Uhrzeit, etc.) noch unklar ist, verlasse Dich nicht auf dein Glück oder den Zufall. Wende Dich nochmals an die Person, die den Gesprächstermin mit dir vereinbart hat. Gerade als Frau sollte man darauf achten nicht hektisch oder unsicher rüberzukommen. Wenn man aber vorher schon eine halbe Stunden einen Parkplatz gesucht hat, oder erfahren hat, dass man aus Versehen durch Unwissenheit schon eine Stunde zu spät ist, stößt sogar die nervenstärkste Lady an ihre Grenzen.

 

Im Vorstellungsgespräch überzeugen?! Bereite dich mental vor

Und damit meine ich jetzt nicht, sich das Unternehmen genau anzuschauen (das ist selbstverständlich!). Sondern ich überlege mir voher ganz genau, was das Unternehmen sich von dieser Stelle verspricht.

Ich versuche also mir die Ziele der Stelle an sich, als auch die Ziele der Besetzung genau zu überlegen. Gründe für die Besetzung können sehr Vielfältig sein. Die Stelle wird vielleicht neu geschaffen, es wird vielleicht ein Nachfolger für einen Abgang gesucht oder eine temporäre Vertretung. Das klingt vielleicht unwichtig (hauptsache die Stelle ist frei, oder?) aber für das Unternehmen kann das unter Umständen einen großen Unterschied machen. Wenn zum Beispiel eine Stelle neu geschaffen wird, gibt es vielleicht noch keine Prozesse. Hier würde ich dann eher in den Vordergrund stellen, wie ich mit einer solchen Situation in der Vergangenheit umgegangen bin, wo ich Prozesse entwickelt und implementiert habe. Wird eine Nachfolge für einen Ausstieg in die Rente gesucht, würde ich eher hervorheben, wo ich bereits Erfahrungen damit gesammelt habe, mich schnell in komplexe Sachverhalten einzuarbeiten und das Vertrauen von Kollegen und Mitarbeitern schnell gewonnen habe.

Selbiges gilt welches Ziel mit der Stelle an sich verfolgt wird. Frage dich vorher welche Funktion genau die Stelle innterhalb und außerhalb des Unternehmens erfüllen soll und welche Aufgaben dadurch auf dich zukommen. Musst Du als Vertriebsleiterin viele Kundentermine wahrnehmen? Oder eher komplexe Vertriebsstrukturen organisieren? Für beide Aufgaben sollte man unterschiedliche Schwerpunkte im Gespräch setzen.

Und schreib das Ganze vorher auf

Auch sehr routinierter Frauen, stehen in einem unter Druck im Vorstellungsgespräch zu überzeugen. Und selbst wenn Du dich sehr gut mit deinem Ansprechpartner unterhälst, solltest Du Notitzen haben. Es kann Dir dadurch nicht passieren, dass Du zu abgelenkt bist, um alle deine Fragen zu stellen. Und Du vergisst auch nicht, alles, was die Firma über Dich wissen sollte loszuwerden. Daher solltest Du dir vorher zum einen alles notieren, was Du aus Deiner Analyse bei Punkt 2 als für die Stelle relevant und erwähnenswert erkannt hast. Zum anderen solltest Du alle Fragen aufschreiben, die Du stellen willst. Und selbst wenn Du nie etwas vergisst und Dir alles auch so merken kannst, dann wirkt so eine schriftliche Vorbereitung auch noch zusätzlich professionell und engagiert – und das schadet auf jeden Fall nie.

Sei mental auf alles gefasst

Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass Du perfekt alle Fragen zu deinem Lebenslauf beantworten kannst und in allen fachlichen Themen zu der jeweilingen Position eine kompetente Ansprechpartnerin bist. Lass Dich daher nicht durch Unvorgesehenes aus der Bahn bringen und beschäftige Dich vorab schon damit, wie Du mit ungewöhnlicheren Fragen umgehst. Zum Beispiel folgendes:
Das Gespräch wird teilweise auf Englisch (oder in einer anderen für die Stelle relevanten Fremdsprache geführt)
Es werden sog. öffnenden Fragen gestellt (Ein Kollege hat eine Aufgabe zu spät bearbeitet. Sie sind in der Verantwortung und müssen das Thema morgen präsentieren. Wenn sie warten bis er fertig ist, schaffen sie das nicht mehr……etc. Wie verhalten Sie sich?)

Abschätzfragen (von mir auch gerne Beratungsfirmenfragen genannt): Wie schwer ist Manhatten? Wie viele Bäume gibt es im Amazonasgebiet? Wieviel Prozent des Hausmülls in Deutschland machen Babywindeln aus?
Du musst ohne oder mit sehr kurzer Vorbereitung etwas präsentieren (z.B. am Flipchart), zum Beispiel das Thema Deines letzten, großen Projekts.

Behalte immer im Hinterkopf: Bei diesen Themen gibt es meistens kein richtig oder falsch. Der Gegenüber will nur abschätzen wie souverän, selbstsicher und strukturiert Du mit unerwarteten Aufgaben umgehen kannst. Frauen werden in solchen Situationen leider manchmal unsicher, da sie immer alles richtig machen wollen. Kommt nicht sofort ein Lob vom potentiellen Chef (weil dieser sein Pokergesicht aufgesetzt hat) werden wir unsicher. Dies äussert sich dann in hektischen und zu schnellen Sprechen oder die Stimme wird höher und piepsig. Daher erstmal zwei oder dreimal ruhig Durchatmen und die Stimme kontrollieren. Falls man Zeit gewinnen muss kann man auch einfach die Fragestellung und die Prämissen, die man annimmt noch einmal wieder holen. D.h. “Die Frage bezieht sich also auf das Gewicht Manhattens. Manhatten ist eine Halbinsel, die voll bebaut ist. Daher ist für das Gewicht neben der Landmasse auch insbesonder die Dichte und Art der Bebauung wichtig,…..” so gewinnt man Zeit und Ruhe.

 

Überzeugen im Vorstellungsgespräch – dazu gehören auch die Gesprächspausen

Normalerweise erlebt man ein Vorstellungsgespräch sehr intensiv. Man ist angespannt und achtet auf jede kleine Regung des Gegenüber. Der Counterpart ist wahrscheinlich wesentlich weniger nervös (esseiedenn es ist sein erstes Gespräch als Interviewer – dann ist er vielleicht sogar nervöser als Du). Für ihn ist das Gespräch in der Regel eine Routineaufgabe in seiner Agenda (insbesondere gilt das natürlich für Personaler). Daher ist er entspannt und während er einfach über die nächste Frage, die er noch stellen könnte nachdenkt, entsteht unter Umständen eine Pause. Widerstehe der Versuchung, Pausen durch “nachlegen” von unnötigen Informationen oder wiederholen von bereits gesagtem zu füllen. Manche Personaler setzen Pausen auch als bewusstes Mittel ein, um den Bewerber aus der Reserver zu locken. Nach dem Motto: Steht der Bewerber zu dem, was er gesagt hat, oder rudert er vielleicht zurück, wenn er sich unsicher fühlt. Nutze Pausen besser, um ein charmantes und souveränes Lächeln auszusetzen und einen Schluck aus dem Wasserglas zu nehmen

Verbindlicher Abschluss des Gesprächs

Kläre immer verbindlich ab, was die nächsten Schritte sind. Wann bekommst Du eine Rückmeldung? Wie geht es im Bewerbungsprozess weiter? Gibt es noch irgendwelche Tests, Assessments, oder ähnliches, die Du schon mal vorbereiten kannst, etc.) Versuche hier allerdings nicht direkt auf ein Feedback zu drängen (gerade Frauen suchen immer sofort die Bestätigung, dass sie “alles richtig beantwortet” haben). In vielen Unternehmen darf die Personalabteilung/der Fachbereich kein persönliches Feedback geben, bevor nicht alle Bewerber gesichtet wurden. Dies hat oft auch mit betriebsratlichen Bestimmungen zur Fairness für alle im Bewerbungsprozess zu tun. Daher wundere dich nicht, wenn du keine Reaktion direkt im oder nach dem Gespräch bekommst. Verabschiede dich freundlich und trete souverän den Heimweg an. Überzeugen im Vorstellungsgespräch? Das gilt bis zum Schluss.

 

 

 

 

Photocredits: Rawpixels

Mein verrücktestes Vorstellungsgespräch

Manche Gespräche bleiben einem einfach in Erinnerung. Heute möchte ich Euch mein verrücktestes Vorgestellungsgespräch erzählen. Bzw. von den beiden Verrücktesten – Einmal war ich Bewerber und einmal Recruiter.

 

Mein verrücktesten Vorstellungsgespräch und ich als Bewerberin mittendrin

Das merkwürdigste Gespräch, bei dem ich selbst Bewerber war, war bei einem spanischen Familienbetrieb, der in Deutschland eine Niederlassung eröffnen wollte, in der ich einen Teilbereich der Aufgaben als Manager übernehmen sollte (nebst Aufbau des entsprechenden Teams). Das Ganze war über einen Headhunter eingefädelt worden und schon in der Anbahnung gab es Merkwürdigkeiten (z.B. sehr lange Wartezeiten, kurzfristige Terminan- und Absagen etc.). Die Stelle klang aber unheimlich attraktiv und deshalb ignorierte ich alle Warnzeichen. Als das Gespräch dann tatsächlich stattfand, stellte ich mich pünktlich und umfassend zum Thema vorbereitet zum Termin ein. Ich ging davon aus, dass bei der Besetzung einer so wichtigen Stelle insbesondere Fachkenntnisse, Managementkompetenz, Branchen Know-How, etc. im Vordergrund stehen würden. Aber weit gefehlt. Mir gegenüber im Gespräch saß der Junior-Chef – geschätzte Anfang 20. Er fing an mir Fragen zu stellen, allerdings benutzte er nur sogenannte öffnende Fragen, d.h. Fragen bei denen Abschätzungen, Einschätzungen, Meinungen, etc. abgefragt werden. Meine persönlichen Highlights: Wenn Sie ein Tier wären, was für ein Tier wären Sie und warum? Sie laufen in einem Marathon, neben Ihnen stürzt ein Läufer. Helfen Sie auch wenn Sie den Sieg verpassen? Sie möchten ein Haus bauen. Wie viele Stockwerke bauen Sie?

 

Die komischen Fragen wollten nicht aufhören

Mit jeder Frage (das ganze lief auch noch komplett in Englisch) wurde ich irritierter. Ich finde es ja ganz witzig, wenn in einem Vorstellungsgespräch mal eine solche Frage gestellt wird. Schließlich lockern solche öffnenden Fragen das Gespräch auch auf, bzw. man kann etwas zu seiner Persönlichkeit zum Ausdruck bringen. Aber das ganze Gespräch bestand nur aus solchen Fragen. Irgendwann wurde mir klar, dass er die Fragen von einem Blatt ablas und den Fragekatalog scheinbar aus dem Internet heruntergeladen hatte. Auch der Headhunter schaute recht irritiert in der Gegend herum. Am Ende des Gesprächs konnte ich meine Überraschung fast nicht mehr verstecken und mir schwirrte der Kopf vor lauter Rumgelaber. Den Job habe ich übrigens nicht bekommen. Ob es am Löwen gelegen ist oder den drei Stockwerken, habe ich nie erfahren aber das Gespräch wird mir immer als mein verrücktestes Vorstellungsgespräch in Erinnerung bleiben.

 

Mein verrücktestes Vorstellungsgespräch als Chefin

Mein verrücktestes Vorstellungsgespräch, in dem ich auf der Recruiter Seite saß, fing eigentlich ganz normal an. Der Bewerber war gut gekleidet und vorbereitet. Einzig, dass er eine große Tasche dabei hatte, die er sehr auffällig und vorsichtig auf den Stuhl neben sich legte, stach mir ins Auge. Das Gespräch selbst verlief völlig normal und sympathisch. Zum Schluss des Gesprächs wurde er dann sichtlich nervös und kramte umständlich aus seiner Tasche einen Tupper hervor. Darin fein säuberlich aufgereiht: Sushi. Seine Erklärung: Er habe bei Xing gesehen, dass ich mich für Sushi interessiere und da seine Freundin dieses herstellen kann, hätte er mir welches mitgebracht. Ich wusste nicht, was ich Erwidern soll. Aufmerksam sein ist das eine, selbstgemachtes Sushi mitbringen das andere….

 

Ich glaube diese beiden Beispiele illustrieren sehr deutlich, dass bei aller Liebe zu Kreativität manchmal die konventionellere Vorgehensweise die Beste ist. Du kennst den anderen nicht und kannst nicht einschätzen, wie er bestimmte Vorgehensweisen aufnehmen wird. Insofern rate ich eigentlich immer, zwar authentisch aber nicht crazy zu sein. Was ist das Verrückteste, was Dir in einem Vorstellungsgespräch passiert ist?

 

Heute ist das Interview für deinen vermeintlichen Traumjob. Und klar, Du bist wahrscheinlich nervös. Egal wie routiniert Du bist oder auch wie gut vorbereitet, fast jede kennt die Schmetterlinge im Bauch, die einen auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch begleiten.

Und schwups ist dein Kopf mehr als beschäftigt:

  • Welche Fragen könnten gestellt werden und wie beantworte ich diese?
  • Welche Fragen könnte ich noch stellen, damit ich möglichst gut vorbereitet und motiviert wirke?
  • Hab ich die richtigen Schuhe an 😉

Und plötzlich ist im Obergeschoss gar keine Kapazität mehr vorhanden für die wirklich wichtige Fragen: Will ich dort eigentlich arbeiten? Passt dieser Job wirklich so gut zu mir?

Und selbst wenn Du es voll auf dem Radar hast, dass die Passung des Jobs zu Dir genauso wichtig ist, wie deine Passung zum Job, wie findest Du es dann innerhalb eines oder zwei Gesprächen heraus.

Wie Du bereits im Vorstellungsgespräch merken kannst, ob der Job zu Dir passt

Der offensichtliche Weg ist natürlich: Fragen stellen. Hier brauchst Du natürlich zum einen richtig gute Fragen, zum anderen musst Du erkennen können, ob Du gerade eine aufrichtige Antwort bekommst. Und wie merke ich das:

  • Die Antwort kommt frei heraus ohne zu stocken und um Wort zu ringen
  • Der Gesprächspartner wird konkret und bleibt nicht generisch auf Floskelebene
  • Es werden idealerweise sogar konkrete Beispiele angeführt

Der weniger direkte Weg sind natürlich Symptome, die Du indirekt beobachten musst. #Dedektivarbeit. Dazu steht aber an erster Stelle die Selbstanalyse. Nur wer weiß, was er sucht, kann auch nach positiven oder negativen Symptomen Ausschau halten. Ich beispielsweise bin wirklich genervt von respektlosem Umfang mit (meiner) Zeit. Unpünktlichkeit kann sicher mal vorkommen, aber im Berufsleben, will ich nicht den halben Tag darauf warten müssen, dass mein Chef zu einem Termin kommt, der vielleicht schon vor Stunden war. Mein Number One Symptom in Vorstellungsgesprächen ist also Pünktlichkeit. Schneit der potenzielle Chef bereits im Erstgespräch eine halbe Stunde zu spät und dann völlig gestresst in das Gespräch, ist das ein no go. Insbesondere wenn Du den Eindruck hast, dass das so nicht geplant war. Hier musst Du jetzt natürlich die Reaktion beispielsweise der Sekretärin oder des zweiten Gesprächspartners beobachten. Wenn diese ruhig sind und der Eindruck entsteht, dass die Teilnahme sowieso nur für einen Teil des Gesprächs geplant war, ist das etwas anderes, als wenn Du das Gefühl hast, dass die auch nicht so richtig im Bilde sind, ob und wann der andere Gesprächspartner endlich auftaucht. Und ich erspar Dir jetzt mal einfach die Geschichte mit dem abgerockten Büro und der flackernden Neonröhre. #ohneWorte.

Was sind deine Erfahrungen? Welche Symptome hast Du schon beobachtet, auf die Du achtest?

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