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Was eine „schlechte“ Firma ist, wird wahrscheinlich jeder für sich selbst definieren müssen. So unterschiedlich wie wir als Einzelpersonen sind, so unterschiedlich sind wahrscheinlich auch die Definitionen, welche Firma gut oder schlecht ist. Daher kommt hier meine subjektive Einschätzung.

Kontrollwahn statt Ergebnisorientierung

Ich persönlich schätze an einer Firma, wenn sie ihren Mitarbeitern Freiheitsgrade einräumt. Das bedeutet für mich konkret: Mitarbeiter werden an ihren Ergebnissen gemessen, nicht so sehr daran wie genau sie diese erreichen. Heißt wenn die Chefs mehr Wert darauf legen, wer wie lange im Büro ist, als darauf, wer welchen Beitrag zum Erfolg liefert, läuft meiner Meinung nach etwas verkehrt.

Effizienz und Effektivität sind für mich viel wichtiger, als wie viel Zeit jemand für eine Aufgabe verwendet. Finden im Büro Wettbewerbe statt, wer abends am längsten bleibt, finde ich das suspekt. Denn wer seine Zeit gut einteilen und planen kann, der muss nicht ständig länger bleiben. Und wer stundenlang hoch konzentriert arbeitet, der ist irgendwann einfach nicht mehr produktiv. Und dann noch im Büro „rumzuhängen“ nur um Anwesenheit zu demonstrieren, finde ich sinnlos. Dennoch hat natürlich auch die Anwesenheit im Büro ihre Vorteile: hier können Netzwerke gepflegt werden und nicht selten entspringen super Ideen aus dem informellen Gespräch aus der Kaffeeecke. Aber Anwesenheit nur um der Anwesenheit willen, ist für mich ein Symptom einer Firma, die nichts für mich ist.

Mitarbeiterentwicklung wird als überflüssig angesehen

Feedback Fehlanzeige? Schulungen oder Weiterbildung ist Geldverschwendung? Das sind für mich klare Zeichen, dass Mitarbeiterentwicklung als unwichtig angesehen wird. Und das ist für mich ein Symptom einer schlechten Firma. Wenn Dein Chef sich maximal einmal im Jahr zu einem Mitarbeitergespräch durchringen kann und dich dieses dann auch nicht wirklich weiterbringt, ist das ein Zeichen dafür, dass Deine Entwicklung keine wirkliche Priorität hat. Manchmal bieten solche Laissez-fair Firmen auch ihre Vorteile. Insbesondere dann, wenn Du gut darin bist Strategien und Wege für Dich selbst zu finden. Aber wenn Du auf aktive Unterstützung Deines Chefs angewiesen bist, dann kann so ein Unternehmen natürlich zum Problem werden. In diesen Fällen hilft es, bereits im Vorstellungsgespräch das Thema Mitarbeiterentwicklung anzusprechen. Zum Beispiel, in dem Du nachfragst, ob regelmäßige Feedbackgespräche geplant sind. Oder in dem Du nach Schulungen fragst. An der Reaktion kannst Du oft schon ablesen, ob das Thema in der Firma Prio hat oder nicht.

Unklare Zielsetzung und Strategie

Ich finde es wichtig zu wissen, wohin ein Unternehmen unterwegs ist. Und für welche Werte das Unternehmen steht. Welche Strategie wird verfolgt? Denn ich möchte ich mit der Strategie identifizieren können. Auch finde ich es ein Riesenplus, wenn die Produkte zumindest ein paar Emotionen wecken. Glaube ich an die Produkte und Ihre Wirkung? Machen wir das Leben unserer Kunden ein bisschen besser? Für den ein oder anderen mag das nicht so wichtig sein, aber letztendlich ist das ja das „warum“ ich jeden Morgen zur Arbeit gehe? Dabei muss nicht jedes Produkt alle Probleme der Menschheit lösen. Mir reicht es zu sehen, dass das Produkt einen gewissen Wert erfüllt und vor allem, dass das Unternehmen eine klare Strategie für die Zukunft hat. Denn das bedeutet ja auch wieder Weiterentwicklung und Zukunftsaussichten für mich als Mitarbeiter.

Überlege Dir vorher was Du willst

Wie hier bereits geschrieben, bedeutet Vorstellungsgespräch auch, dass ein Unternehmen sich bei Dir vorstellt. Daher finde ich persönlich es sehr wichtig, dass Du Dir gerade im Bewerbungsprozess klar machst, was für Dich ein „gutes“ Unternehmen ist. Welche Anzeichen deuten für Dich darauf hin, dass ein Unternehmen „gut“ ist und Deine Werte mit dem Unternehmen übereinstimmen. Denn nur dann kannst Du im Vorstellungsprozess darauf achten, ob diese Kriterien bei dem Unternehmen auch erfüllt sind.

Tipps zu Bewerbungsschreiben und Lebenslauf gibt es wie Sand am Meer. Aber hier gibt es jetzt die Bewerbungstipps, die Dir keiner verrät. Es gibt kein “richtig” oder “falsch” (außer natürlich Rechtschreibfehler, die sind immer falsch). Eine Sache, die meiner Meinung nach immer unterschätzt wird ist, wie wenig Zeit sich Personaler und Manager nehmen, um eine Bewerbung wirklich anzuschauen. Daher beziehen sich meine Tipps hauptsächlich darauf, dass deine Bewerbung unter Umständen nur wenige Minuten angeschaut wird und sich der Adressat der Bewerbung nicht die Mühe macht jedes Detail in der Unterlage “zusammen zu suchen”.

Und es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass es deiner Bewerbungsunterlage nicht besser ergeht. Je attraktiver das Unternehmen und die Position, auf die man sich bewirbt, desto eher kann man davon ausgehen, dass man wahrscheinlich nicht der einzige Bewerber ist, der seine Unterlagen dorthin schickt. Man landet also auf einem verdammt großen Stapel von Bewerbungen. Daher findet ihr hier einige Tipps, die es dem potentiellen Recruiter möglichst einfach macht, zu erkennen was für eine klasse Frau du für den Job bist!

Lebenslauf und Anschreiben

Muss ich für jede Stelle eine individuelle Bewerbung schreiben oder reicht es einfach nur das Anschreiben anzupassen?

Du musst natürlich gar nichts . Ich kann allerdings nur empfehlen, jede Bewerbung individuell zu gestalten. Natürlich sollte man ein Grundgerüst für das Anschreiben und den Lebenslauf fertig “in der Schublade” liegen haben. Allerdings sollte man sich überlegen welche Tätigkeiten aus dem Lebenslauf den besten Bezug zu der Stelle haben und diese Tätigkeiten in den Vordergrund rücken, z.B. durch Erwähnung im Anschreiben. Außerdem kannst Du diesen wichtigen Positionen mehr Platz oder eine Position weiter vorne im Lebenslauf geben. Besonders bei Frauen ist das natürlich wichtig.

Beispiel gefällig: Du bewirbst dich für eine Stelle im Controlling oder Marketing mit einem starken technischen Bezug. Nie würde es jemand zugeben, aber viele Männer werden denken, dass Du für diese Aufgabe nicht so gut geeignet bist, wie ein Mann. Beispielsweise, weil Du von Technik weniger Ahnung hast und deshalb die Produkte nicht so gut verstehen wirst. Auch wenn Du nicht in der Entwicklung arbeitest, ist es in vielen Positionen trotzdem notwendig zumindest im groben zu verstehen, was die Firma macht. Daher solltest Du in so einem Fall einen Bezug zur Technik herstellen. Wenn Du noch nie in der Branche gearbeitet hast, bietet sich wenigstens eine Ferienarbeit in der Produktion oder ein Praktikum an. Wenn es das auch nicht gibt, hast du vielleicht zumindest ein Hobby, das zeigt, dass du keine zwei linken Hände hast.

 

Die Länge des Lebenslauf

Wie ausführlich sollte der Lebenslauf sein?

Ausführlich genug! Also: Ein Lebenslauf auch von einer Berufsanfängerin sollte nie nur aus einer Seite bestehen! Jede auch jemand, der bisher “nur” studiert hatte, sollte auf zwei Seiten über seine ersten 23-25 Jahre auf der Welt berichten können. (Und das ohne die Grundschule zu erwähnen! Was? Du erwähnst die Grundschule in deinem Lebenslauf? Dann husch, husch streich sie raus!). Um dem Leser Zeit zu sparen, sollte dein Lebenslauf ein umfassendes Bild davon vermitteln, was du bisher getrieben hast und was du kannst.

Daher solltest Du zu jeder Tätigkeit zwei, drei oder vier stichpunktehafte Tätigkeiten stehen, was du gemacht hast. Schreibe nie “Praktikum im Marketing” oder “Teamleitung Marketing” ohne weitere Erklärung, sondern lasse noch ein paar Details folgen z.B. – Erstellen von Marketingkonzepten für den Messeauftritt, Entwicklung einer Markenstrategie für Produktgruppe XY, Führung von drei Mitarbeitern im Bereich Unternehmenskommunikation und PR, etc. Und das machst du dann für alle relevanten Tätigkeiten/Erfahrungen und schwups hast du mindestens zwei Seiten zusammen. (Orientierungshilfe: Berufsanfänger sollten bei einer “11er Schriftgröße” auf zwei Seiten, ab 5 Jahren Berufserfahrung auf drei Seiten kommen.)

 

Bewerben mit wenig Berufserfahrung

Ich habe wirklich noch gar keine Arbeitserfahrungen. Was mache ich jetzt nur?

Glaub mir, jeder hat irgendwelche Erfahrungen. Es kommt – wie so oft im Leben – auf die richtige Verpackung an. Du hast also etwas studiert oder eine Ausbildung gemacht? Das ist doch schon Mal gut! Jede Ausbildung oder jedes Studium hat Schwerpunkte, die je nach Betrieb/Uni/FH unterschiedlich gelegt werden, d.h. diese Schwerpunkte sind bereits zwei oder drei Unterpunkte wert. Beispiel: Du hast Industriekauffrau “gelernt”. Jetzt kannst du entweder schreiben “Ausbildung zur Industriekauffrau” und es der Phantasie des Lesers überlassen, was er sich denkt oder du kannst ihm eine Idee geben (einfach für den Fall, dass er wenig Phantasie hat ):

Nehmen wir an dein Betrieb war in der Lebensmittelbranche tätig: z.B. Organisation von Logistiktransporten mit lückenlosen Kühlketten und kritischen Transportzeiten, Vorbereiten von Vertragsverhandlungen mit Handelsketten und Großhandelsorganisationen, Vorbereitung der Kundenevents zur Vorstellung neuer Produkte. Merke: Gehe niemals davon aus, dass der andere irgendetwas über dich weiß. Denn das tut er nicht, er kennt dich bis jetzt nicht. Gerade wir Mädels neigen hier zum Tiefstapeln: Wenn du für etwas verantwortlich warst schreibe nicht “Unterstützung”, sondern zeige durch die Formulierung die Tragweiter deiner Verantwortung, auch wenn du nicht in jeder Position “Chef” warst.
Weitere Themen, die du nicht unter den Tisch fallen lassen solltest, wenn du bisher keine oder wenig “richtige” Berufserfahrung hast:

Auslandsschuljahre, Studienprojekte d.h. Kurse im Studium, die projekthaft gestaltet waren und bei denen ein konkretes Endergebnis mehr oder weniger in Eigenregie entwickelt werden musste. Aber natürlich auch: Arbeit auf Messen oder Ferienjobs, außerschulisch Aktivitäten wie Engagement in Vereinen oder Verbänden. Das könnte zum Beispiel die Mitarbeit im Asta, studentische Unternehmensberatungen, etc. sein. Und wenn es wirklich hart auf hart kommt, hast du wenigstens ein interessantes Hobby? Finde wenigstens drei Dinge, die du ausführlich mit Unterpunkten darstellen kannst. Das schafft jede !

 

Ein richtig gutes Anschreiben

Wie schreibe ich ein gutes Anschreiben?

Egal wie schwer es auch ist, lasse die Finger von vorformulierten Anschreiben. Das will wirklich keiner lesen. Versuche beim Schreiben authentisch zu sein, ohne übertrieben aufzufallen (ui das klingt jetzt total generisch). D.h. wenn du die Stelle bei Monster im Internet gefunden hast schreibe nicht: Bezugnehmend auf Ihre Stellenanzeige auf www.monster.de vom soundsovielten, möchte ich mich heute bewerben. Sondern schreibe etwas das knackiger formuliert ist und deine Motivation ausdrückt: „Während meiner Stellensuche ist mir Ihre Stelle auf www.monster.de sofort positiv ins Auge gefallen: Sie suchen nach einer Mischung aus Kreativität und unternehmerischen Handeln und ich würde mich sehr freuen, diese beiden Eigenschaften in Ihr Unternehmen einzubringen.“

Gleiches gilt für die Argumentation warum du auf die Stelle passt. Sei individuell und drücke deine Meinung aus. Trotz des starken Controlling Hintergrunds, den ich mitbringe, habe ich mich für technische Themen aus dem Bereich Elektrotechnik interessiert. Deshalb war ich in meinem Praktikum xxx auch in der Produktionsvorbereitung tätig. Dort bereitete ich die Bestückung von Leiterplatten vor. Der Trick dabei ist allerdings, dass man sich – wenn es zum Vorstellungsgespräch kommt – dann auch inhaltlich auf diese Themen vorbereiten muss. Denn die Authenzität ist futsch, wenn man etwas schreibt, danach aber nichts dazu sagen kann.

 

Der Gehaltswunsch

Soll ich meinen Gehaltswunsch direkt in die Bewerbung schreiben oder nicht?

Der Gehaltswunsch ist immer ein kritisches Thema. Wieviel Gehalt du verlangen kannst, hängt ja nicht nur von dir ab, bzw. was du “wert” bist. Es ist ebenfalls entscheiden, wie viel Verantwortung, die Stelle mich sich bringt, welche Pflichten man hat, etc. Das heißt, man muss auch ein Gefühl dafür bekommen, was die Stelle als solches dem potentiellen Arbeitgeber “wert” ist. Man kann “Leiterin Marketing” ohne Mitarbeiterverantwortung sein und einem kleinen Budget, um externe Grafiker zu beauftragen. Man kann “Leiterin Marketing” sein, mit 30 Mitarbeitern und einem Millionenbudget um Werbe- und Kommunikationsagenturen, Messebauer und andere zu beauftragen. Daher sollte man keinen Gehaltswunsch angeben, wenn das nicht explizit gefordert ist. Um einen „guten“ Gehaltswunsch anzugeben, muss man nämlich unbedingt die Tragweite der Stelle verstanden haben. Und normalerweise kann man die Tragweite der Stelle erst erfassen, wenn man schon mindestens ein persönliches Gespräch mit der Firma geführt hat (in diesem Gespräch sollte man selbstverständlich all das nachfragen, wenn es nicht sowieso erwähnt wird).

Die einzige Ausnahme ist, wenn explizit verlangt wird, dass man seine Gehaltsvorstellung angeben soll. Dann sollte man aus einer Kombination seines aktuellen Gehalts plus der abgeschätzten Verantwortung für die Stelle einen Wert ermitteln. Und liebe Mädels: Bitte lieber ein bisschen mehr als zu wenig! (Statistiken zeigen wir Frauen sind sowieso zumeist bescheidener als unsere männlichen Kollegen – “Bescheidenheit ist eine Zier doch es geht auch ohne ihr…..”) Runterhandeln lassen ist leichter als mehr verlangen. Selbiges gilt für Bonbons wie Firmenwagen, Geld für Umzüge, teure Weiterbildungen, etc. (also all das was zu einem Mangerinnen Gehaltspaket dazugehört!

 

 

 

 

Photocredits: pixabay

Mein verrücktestes Vorstellungsgespräch

Manche Gespräche bleiben einem einfach in Erinnerung. Heute möchte ich Euch mein verrücktestes Vorgestellungsgespräch erzählen. Bzw. von den beiden Verrücktesten – Einmal war ich Bewerber und einmal Recruiter.

 

Mein verrücktesten Vorstellungsgespräch und ich als Bewerberin mittendrin

Das merkwürdigste Gespräch, bei dem ich selbst Bewerber war, war bei einem spanischen Familienbetrieb, der in Deutschland eine Niederlassung eröffnen wollte, in der ich einen Teilbereich der Aufgaben als Manager übernehmen sollte (nebst Aufbau des entsprechenden Teams). Das Ganze war über einen Headhunter eingefädelt worden und schon in der Anbahnung gab es Merkwürdigkeiten (z.B. sehr lange Wartezeiten, kurzfristige Terminan- und Absagen etc.). Die Stelle klang aber unheimlich attraktiv und deshalb ignorierte ich alle Warnzeichen. Als das Gespräch dann tatsächlich stattfand, stellte ich mich pünktlich und umfassend zum Thema vorbereitet zum Termin ein. Ich ging davon aus, dass bei der Besetzung einer so wichtigen Stelle insbesondere Fachkenntnisse, Managementkompetenz, Branchen Know-How, etc. im Vordergrund stehen würden. Aber weit gefehlt. Mir gegenüber im Gespräch saß der Junior-Chef – geschätzte Anfang 20. Er fing an mir Fragen zu stellen, allerdings benutzte er nur sogenannte öffnende Fragen, d.h. Fragen bei denen Abschätzungen, Einschätzungen, Meinungen, etc. abgefragt werden. Meine persönlichen Highlights: Wenn Sie ein Tier wären, was für ein Tier wären Sie und warum? Sie laufen in einem Marathon, neben Ihnen stürzt ein Läufer. Helfen Sie auch wenn Sie den Sieg verpassen? Sie möchten ein Haus bauen. Wie viele Stockwerke bauen Sie?

 

Die komischen Fragen wollten nicht aufhören

Mit jeder Frage (das ganze lief auch noch komplett in Englisch) wurde ich irritierter. Ich finde es ja ganz witzig, wenn in einem Vorstellungsgespräch mal eine solche Frage gestellt wird. Schließlich lockern solche öffnenden Fragen das Gespräch auch auf, bzw. man kann etwas zu seiner Persönlichkeit zum Ausdruck bringen. Aber das ganze Gespräch bestand nur aus solchen Fragen. Irgendwann wurde mir klar, dass er die Fragen von einem Blatt ablas und den Fragekatalog scheinbar aus dem Internet heruntergeladen hatte. Auch der Headhunter schaute recht irritiert in der Gegend herum. Am Ende des Gesprächs konnte ich meine Überraschung fast nicht mehr verstecken und mir schwirrte der Kopf vor lauter Rumgelaber. Den Job habe ich übrigens nicht bekommen. Ob es am Löwen gelegen ist oder den drei Stockwerken, habe ich nie erfahren aber das Gespräch wird mir immer als mein verrücktestes Vorstellungsgespräch in Erinnerung bleiben.

 

Mein verrücktestes Vorstellungsgespräch als Chefin

Mein verrücktestes Vorstellungsgespräch, in dem ich auf der Recruiter Seite saß, fing eigentlich ganz normal an. Der Bewerber war gut gekleidet und vorbereitet. Einzig, dass er eine große Tasche dabei hatte, die er sehr auffällig und vorsichtig auf den Stuhl neben sich legte, stach mir ins Auge. Das Gespräch selbst verlief völlig normal und sympathisch. Zum Schluss des Gesprächs wurde er dann sichtlich nervös und kramte umständlich aus seiner Tasche einen Tupper hervor. Darin fein säuberlich aufgereiht: Sushi. Seine Erklärung: Er habe bei Xing gesehen, dass ich mich für Sushi interessiere und da seine Freundin dieses herstellen kann, hätte er mir welches mitgebracht. Ich wusste nicht, was ich Erwidern soll. Aufmerksam sein ist das eine, selbstgemachtes Sushi mitbringen das andere….

 

Ich glaube diese beiden Beispiele illustrieren sehr deutlich, dass bei aller Liebe zu Kreativität manchmal die konventionellere Vorgehensweise die Beste ist. Du kennst den anderen nicht und kannst nicht einschätzen, wie er bestimmte Vorgehensweisen aufnehmen wird. Insofern rate ich eigentlich immer, zwar authentisch aber nicht crazy zu sein. Was ist das Verrückteste, was Dir in einem Vorstellungsgespräch passiert ist?

 

Geld Jahresgespräch Gehalt

Ich habe dich hoffentlich in meinem Post vor ein paar Tagen überzeugt habe, dass Gehaltsverhandlung ein „Muss“ ist. Daher möchte ich dir jetzt alle Tipps geben, wie Du die Gehaltsverhandlung perfekt vorbereiten kannst.

Eine Gehaltsverhandlung muss vorbereitet werden.

Viele Leute machen den Fehler, sich nicht auf die Frage nach dem Gehalt vorzubereiten. Klar, Du bist ja darauf fokussiert, einen möglichst guten Eindruck in deinem Vorstellungsgespräch zu machen. Oder auch, wenn es sich um ein Jahresgespräch handelt, bist Du vielleicht nervös vor dem Feedback Deines Chefs. Dennoch solltest Du darauf gefasst sein, dass die Frage nach dem Gehalt kommt. Oder zum Beispiel im Fall des Jahresgesprächs, musst Du vielleicht sogar selbst die Initiative ergreifen. So oder so Du darfst Dir die Chance nicht entgehen lassen.

Bei der Gehaltsverhandlung geht es um Geld – aber nicht nur um Geld.

Ein Arbeitsplatz ist so viel mehr als das Gehalt. Fixiere Dich deshalb nicht nur darauf, mehr Geld rauszuhandeln, sondern überlege Dir auch, was Die außer Geld wichtig ist. Eine interessante Schulung, auf die Du schon lange wolltest? Oder eine flexiblere Homeoffice Regelung? Auch zusätzliche Urlaubstage, Stundenreduzierung bei gleichem Gehalt oder ähnliches, können je nach Lebensmodell sehr interessant sein. Am besten Du steckst Dir selbst einen flexiblen Rahmen, was Dir wichtig ist. Ordne diese Liste dann nach deinen Prioritäten. Lehnt der Chef deine Top Priorität ab, kannst Du immer noch nach dem zweiten Punkt auf deiner Liste fragen. So bleibt auch eine vermeintlich geschlossene Tür weiter offen.

Die richtige Vorbereitung hilft Dir, gelassen zu bleiben.

An anderer Stelle habe ich ja schon erzählt, wie Du dich ideal auf die Gehaltsverhandlung vorbereitest. Sprich insbesondere wie Du Deinen Marktwert recherchieren kannst. Befindest Du Dich im Recruitingprozess für einen neuen Job, dann verkaufst Du dich ja sowieso schon mit allen Argumenten. Hier würdest Du beim Thema Gehalt keine neuen Argumente mehr vorbringen. Das schwächt deine Position, da es oft wie ein Rechtfertigungsversuch wirkt, warum Du das Geld auch wirklich verdienst. Das sollte aber nach einem Top Interview gar nicht mehr notwendig sein. Bei einem Jahresgespräch ist die Situation etwas anders. Hier hilft es auf jeden Fall aufzuzeigen, worin der eigene Beitrag besteht. Dabei nicht nur in die Vergangenheit blicken, sondern auch in die Zukunft. Was wirst Du künftig schaffen, welche Verantwortung wirst Du übernehmen? Je besser Du Dich vorbereitest, desto ruhiger und souveräner wirst Du wirken.

Der Moment der Verhandlung ist kurz.

Ok, Du hast die Gehaltsverhandlung perfekt vorbereitet. Was jetzt? Insbesondere im Jobinterview besteht die Verhandlung, bzw. deine Forderung meist nur aus einem Satz. Diesen bringst Du ruhig und gelassen vor und wartest dann. Auch wenn jetzt eine unangenehme Stille entsteht. Widerstehe der Versuchung dich irgendwie zu rechtfertigen. Gleiches gilt für das Jahresgespräch. Hier trägst Du deine Argumente kurz und prägnant vor und dann lässt Du das Gesagte einen Moment wirken. Erwarte keine sofortige Antwort.

Natürlich solltest Du das Gehalt auch unterjährig ansprechen.

Auch wenn in Deinem Unternehmen vielleicht nur einmal im Jahr die Möglichkeit zur eigentlichen Gehaltsanpassung besteht, solltest Du nicht bis zu deinem Jahresgespräch warten, um das Thema Gehalt und andere Konditionen mit Deinem Chef zu besprechen. Oft sind zum Jahresgespräch die Budgets nämlich bereits verteilt und Dein Chef hat vielleicht gar nicht mehr die Möglichkeit, Deine Forderung zu erfüllen. Daher solltest Du unbedingt bereits davor aktiv werden. Warte einen günstigen Moment ab. Es sollte ein ruhiger Moment sein und ein Moment, in dem dein Chef auch mit Dir zufrieden ist. Jetzt kannst Du gelassen anmerken, was Dir vorschwebt, dabei keine konkreten Zahlen nennen, aber klar machen, dass beim nächsten Jahresgespräch etwas passieren sollte. Insbesondere auch dann, wenn Du beispielsweise deine Arbeitsstunden verändern willst oder andere größere Anpassungen möchtest. So hat Dein Chef Zeit sich Gedanken zu machen, wie er deine Forderungen erfüllen kann. Du vermeidest es Ihn zu überrumpeln. Reagiert er genervt oder gar sofort ablehnend, hast du wenigstens Zeit gewonnen, in der Du weißt woran Du bist. Mache Dir schon vorher klar, wie Du damit umgehst. Das gehört auch dazu die Gehalstverhandlung perfekt vorzubereiten.

Was ist wenn mein Chef „nein“ sagt.

Auch hier solltest Du nicht sofort die Flinte ins Korn werfen. Gerade bei Sonderregelungen, die es in der Firma vielleicht so noch nicht gibt, tun sich viele erstmal schwer. Gib Deinem Chef Zeit, das Ganze sacken zu lassen. Vielleicht überdenkt er seine Meinung. Tut er das nicht und versucht er auch dem Thema aus dem Weg zu gehen, dann weißt Du woran Du bist. Und dann bleibt natürlich nur der Klassiker „love it or leave it“.

 

 

Bildquelle: Lucas Pezeta

 

 

Gehaltsverhandlung

Immer wieder erreicht mich die Frage: „Soll ich mein Gehalt verhandeln?“. Für mich ist die Antwort auf die Frage nach der Gehaltsverhandlung klar. ABER tatsächlich höre ich auch immer wieder von Teilnehmern meiner Kurse kontroverse Aussagen. Zum Beispiel, dass sie an anderer Stelle von Coaches gehört haben, dass Gehaltsverhandlung unwichtig sei bzw. dass es sowieso nichts „bringe“ das Gehalt zu verhandelt. Die Begründung für solche Aussagen war dann, dass ja in großen Unternehmen sowieso alles durch Gehaltsstufen bzw. Tarifvertrag geregelt sei.

Ehrlich gesagt, bin ich immer geschockt wenn ich sowas höre. Denn erstens schadet es auf keinen Fall es zu versuchen. Zweitens stimmt es in den meisten Fällen schlicht nicht, dass es keinen Spielraum gibt. Was sind also die Schritte für eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung beim Job Einstieg.

Der meines Erachtens wichtigste Schritt ist, Euren Marktwert zu kennen.

Das kannst Du auf verschiedene Wege tun, bzw. Du solltest auch versuchen verschiedene Quellen heranzuziehen. Ein Anhaltspunkt sind Statistiken von Jobportalen, die regelmäßig Erhebungen bei Ihren Mitgliedern machen oder ähnliche Studien. Außerdem kannst Du in Deinem Netzwerk fragen. Wichtig dabei, frage nicht „Was verdienst Du?“ denn es gibt Leute, die mit so einer direkten Frage ein Problem haben. Fragst Du hingegen: „Wie würdest Du als Experte die Gehaltsrange von einer solchen Position abschätzen?“ ist die Chance, eine hilfreiche Antwort zu erhalten, sehr groß. Eine weitere Quelle für Informationen können Stellenbeschreibungen sein, die eine Gehaltsspanne angeben.

Dann solltest Du natürlich Faktoren miteinbeziehen, die deinen Marktwert steigern oder mindern können. Das könnten zum einen deine Qualifikationen sein. Bist Du beispielsweise besonders gut qualifiziert und waren die Interviewpartner enthusiastisch? Oder aber auch, ob die Stelle mit einem hohen Maß an Verantwortung daher kommt, z.B. Budgetverantwortung oder Projektleitungsverantwortung. So kannst Du dann entscheiden, ob du dich eher am oberen oder unteren Ende der Gehaltsspanne siehst.

Auch in großen Firmen lohnt sich Gehaltsverhandlung.

Und wichtig ist auch, dass es sich auch in großen Firmen mit vermeintlich geregelten Gehaltsstrukturen immer lohnt, zu verhandeln. Du musst wissen, dass deine Stelle zwar einer bestimmten Gehaltsklasse, z.B. Tarifstufe zugeordnet ist, aber innerhalb der Tarifstufen auch eine Gehaltsspanne hinterlegt ist. Innerhalb dieser Gehaltsspanne kann man sich zum Beispiel mit sogenannten Leistungspunkten nach oben bewegen kann. Und hier macht es natürlich sehr wohl einen Unterschied, ob du gleich im oberen Bereich der Tarifspanne einsteigst oder nicht. Auch gibt es für Unternehmen die Möglichkeit dich auf eine Stelle „zu setzen“ die eine höhere Eingruppierung hat, als Du zunächst erhältst.

Bis Du dann deine Eigentliche Eingruppierung erreichst können Jahre vergehen. Auch sind diese Beförderungsprozesse leider oft auch nicht direkt von deiner Leistung abhängig. Dadurch kannst Du meist wenig tun, um Umgruppierungen zu beschleunigen. Dein Ziel sollte es also sein – natürlich in Abhängigkeit wie qualifiziert Du für die Stelle bist – direkt in der richtigen Eingruppierung eingestuft zu werden. Und dafür musst Du meist – richtig geraten – verhandeln.

Dein Einstiegsgehalt in einem Unternehmen bildet immer die Absprungbasis, von der aus Du dich weiterentwickeln kannst.

Anpassungen, die das Unternehmen freiwillig gewährt sind dann oft prozentuale Steigerungen dieses Gehalts. D.h. wer hoch einsteigt, bekommt auch absolut die größeren Gehaltserhöhungen, weil der prozentuale Anteil zwar gleich ist, der Absolutbetrag aber größer.

Und immer daran denken, dass schlimmste das passieren kann ist ein kurzes „Nein“. Sollte eine Firma wirklich überrascht reagieren, wenn Ihr maßvoll und nach guter Recherche versucht Euer Gehalt zu verhandeln, dann sollte dies für Euch eher ein Warnsignal sein, dass die Firma vielleicht nicht zu Euch passt. Besser Ihr stellt solche unterschiedlichen Vorstellungen vor dem Start fest, als wenn Ihr bereits seit einem Jahr in einem Unternehmen arbeitet und Energie und Motivation investiert habt. Und das bringt uns auch wieder zurück zu diesem Thema  – Das Unternehmen stellt sich auch bei Dir vor.

Solltest Du dein Gehalt verhandeln? JA!

 

 

 

 

 

 

Bildquelle: rawpixel.com

 

Heute ist das Interview für deinen vermeintlichen Traumjob. Und klar, Du bist wahrscheinlich nervös. Egal wie routiniert Du bist oder auch wie gut vorbereitet, fast jede kennt die Schmetterlinge im Bauch, die einen auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch begleiten.

Und schwups ist dein Kopf mehr als beschäftigt:

  • Welche Fragen könnten gestellt werden und wie beantworte ich diese?
  • Welche Fragen könnte ich noch stellen, damit ich möglichst gut vorbereitet und motiviert wirke?
  • Hab ich die richtigen Schuhe an 😉

Und plötzlich ist im Obergeschoss gar keine Kapazität mehr vorhanden für die wirklich wichtige Fragen: Will ich dort eigentlich arbeiten? Passt dieser Job wirklich so gut zu mir?

Und selbst wenn Du es voll auf dem Radar hast, dass die Passung des Jobs zu Dir genauso wichtig ist, wie deine Passung zum Job, wie findest Du es dann innerhalb eines oder zwei Gesprächen heraus.

Wie Du bereits im Vorstellungsgespräch merken kannst, ob der Job zu Dir passt

Der offensichtliche Weg ist natürlich: Fragen stellen. Hier brauchst Du natürlich zum einen richtig gute Fragen, zum anderen musst Du erkennen können, ob Du gerade eine aufrichtige Antwort bekommst. Und wie merke ich das:

  • Die Antwort kommt frei heraus ohne zu stocken und um Wort zu ringen
  • Der Gesprächspartner wird konkret und bleibt nicht generisch auf Floskelebene
  • Es werden idealerweise sogar konkrete Beispiele angeführt

Der weniger direkte Weg sind natürlich Symptome, die Du indirekt beobachten musst. #Dedektivarbeit. Dazu steht aber an erster Stelle die Selbstanalyse. Nur wer weiß, was er sucht, kann auch nach positiven oder negativen Symptomen Ausschau halten. Ich beispielsweise bin wirklich genervt von respektlosem Umfang mit (meiner) Zeit. Unpünktlichkeit kann sicher mal vorkommen, aber im Berufsleben, will ich nicht den halben Tag darauf warten müssen, dass mein Chef zu einem Termin kommt, der vielleicht schon vor Stunden war. Mein Number One Symptom in Vorstellungsgesprächen ist also Pünktlichkeit. Schneit der potenzielle Chef bereits im Erstgespräch eine halbe Stunde zu spät und dann völlig gestresst in das Gespräch, ist das ein no go. Insbesondere wenn Du den Eindruck hast, dass das so nicht geplant war. Hier musst Du jetzt natürlich die Reaktion beispielsweise der Sekretärin oder des zweiten Gesprächspartners beobachten. Wenn diese ruhig sind und der Eindruck entsteht, dass die Teilnahme sowieso nur für einen Teil des Gesprächs geplant war, ist das etwas anderes, als wenn Du das Gefühl hast, dass die auch nicht so richtig im Bilde sind, ob und wann der andere Gesprächspartner endlich auftaucht. Und ich erspar Dir jetzt mal einfach die Geschichte mit dem abgerockten Büro und der flackernden Neonröhre. #ohneWorte.

Was sind deine Erfahrungen? Welche Symptome hast Du schon beobachtet, auf die Du achtest?

Bildquelle Titelbild: https://www.pexels.com/photo/background-close-up-day-daytime-1036843/