Ein Thema, das mich in meiner Karriere einige Male begleitet hat ist die Frage: “Was bringen mir standardisierte Persönlichkeitstests?”

Kurzum ich wurde in meiner berufllichen Entwicklung mehrmals mit solchen Tests “beglückt” und mein Fazit gleich vorweg – diese Tests sind für mich Fluch und Segen zugleich.

Was stört mich an standardisierten Persönlichkeitstests?

Ich erinnere mich noch lebhaft an meinen ersten Test. Wie bei wahrscheinlich vielen war es der DISG. Dieser teilt die Menschheit in vier Hauptcharaktergruppen ein. Und ich habe meinen DISG in einem Führungskräfteseminar gemacht. Im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern, war ich relativ neu in der Firma. Sprich das Seminar, die vielen neuen Leute, das “Erleben” der neuen Firmenkultur – das alles war sowieso schon recht anstrengend für mich. Und dann auch noch “getestet” werden?! Ich empfand die Situation als relativ stressig. Auch weil die Trainer des Seminares nicht unbedingt Experten dafür waren, den Test und die Ergebnisse zu erklären. Sprich es wurde sogar davon gesprochen, was ein “gutes” Profil und ein “schlechtes” Profil wäre. Ich fühlte mich absolut in eine Schublade gesteckt und ging in eine innere Verweigerungshaltung. Daher meine Lernerfahrungen: Wenn schon Test, dann bitte von Profis erklärt und bitte nicht wertend. Jede Charakterausprägung ist immer zugleich eine Stärke und Schwäche, daher kann der Test nicht “gut” oder “schlecht” ausfallen.

Neuer Test, neues Glück? Was bringen mir standardisierte Persönlichkeitstests?

Mein zweiter Test – wieder im Rahmen eines Führungskräfteseminars – war das Hogan Assessment. Zwei Dinge fand ich an diesem Test auf Anhieb sympathinscher. Zum einen wird man nicht in Kategorien eingeteilt und damit entfällt das unangenehme Schubladengefühl. Bei Hogan werden bestimmte Eigenschaften (z.B. Ausgeglichenheit) statistisch mit hundertausenden Profilen der Menschen verglichen, die den Test ebenfalls gemacht haben. Das heißt Du bekommst keine Bewertung wie Du (angeblich) bist, sondern eher wie Du Dich tendenziell im Vergleich zu (vielen) anderen verhälst. Für mich persönlich war das viel leichter verdaulich. Außerdem zeigt Dir der Test eine Ausprägung zwischen zwei Polen. Das heißt auf einer Skala mit verschiedenen Dimensionen bekommt man ein Spektrum.

Ich war beispielsweise wissbegieriger aber weniger besonnen als der Durchschnitt und damit im Mittelfeld der Eigentschaft “Ausgeglichenheit”. So konnte ich mich besser verstehen und erkannte mich differenzierter wieder. Der Nachteil: Die Statistik hinter dem Test ist sehr komplex. Und wir brauchten eineinhalb Tage des Seminars, um den Test und die Ergebnisse überhaupt verstehen zu können. Danach hätte ja der spannende Teil begonnen. Nämlich die Ableitung der Ergebnisse und Handlungsempfehlungen. Dafür war dann leider nicht mehr richtig Zeit. Sprich ich fand das Resultat zwar spannend, aber teilweise auch kurios (Warum habe ich einen unterdurchschnittlichen Ehrgeiz?!). Lernerfahrung Nummer drei: Bitte die Teilnehmer nicht mit den Eregebnissen des Tests alleine lassen!

Happy testing – endlich ein Test, der mir etwas gebracht hat

Nach längerem hadern mit meinem Job, hatte ich das schleichende Gefühl, dass ich vielleicht selbst Schuld bin. Sprich, wenn kein Job zu mir passt, vielleicht passe dann ich einfach zu keinem Job?! Also griff ich in die Tasche und gönnte mir eine individuelle Potentialanalyse. Heute würde man das “ich investierte ich mich selbst” nennen. Aber das wusste ich damals ja noch nicht :-). Der Test war ein für das Militär entwickelter Standardtest, mit ähnlichem Grundmuster wie Hogan. Sprich statistischer Vergleich und Ausprägung der Charaktereigenschaft. Was dieses Mal anders war, war, dass meine Coachin auch noch eine qualitative Analyse dazuspielte. Sie lies mich auch Situationen aus meinem Leben reflektieren, zum Beispiel, in welchen Arbeitssituationen ich mich richtig wohlfühle, etc.

So wurde das Ergebnis des Tests (z.B. hoher Freiheitsdrang) sehr genau auf meine konkrete Situation angepasst. Sprich Großkonzern?! Das kann wahrscheinlich nicht passen. Endlich ein Testergebnis mit dem ich weiterarbeiten konnte, auch wenn es noch Jahre dauern würde bis ich die Ergebnisse für mich akzeptierte und in die Tat umsetzte…

Und damit Lernerfahrung Nummer 4: Testen bringt nichts, wenn Du nicht in die Umsetzung kommst. Daher Talente in Taten transformieren, Mädels. #beatalentista

 

 

 

 

Photocredit: rawpixel

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  1. […] nicht ganz unkritisch gegenüberstehe. Den ganzen Artikel dazu, kannst Du auch hier nochmals nachlesen. Die Umsetzungstendenzen von Gretchen Rubin, finde ich hier eine sehr schöne […]

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